Gewerbegebiete am Stadtrand: Der Balanceakt zwischen Bodenschutz und Arbeitsplätzen
Österreich verbraucht täglich wertvolle Grünflächen für Fachmarktzentren und Logistikhallen. Wie steirische Regionalplaner gegen überdimensionierte Asphaltwüsten vorgehen.
Der tägliche Bodenverbrauch ist in Österreich seit Jahren Gegenstand intensiver Debatten. Zersiedelte Ortseinfahrten mit riesigen, ebenerdigen Supermarkt-Parkplätzen und monotonen Lagerhallen prägen das Bild entlang vieler Bundes- und Landesstraßen.
Für kleine Gemeinden waren solche Widmungen lange Zeit verlockend: Die Kommunalsteuer spült verlässlich Einnahmen in klamme Gemeindekassen, während lokale Arbeitsplätze geschaffen werden. Doch der ökologische und infrastrukturelle Preis ist hoch.
Zersiedelung verursacht Folgekosten
Jeder Hektar neuer Gewerbefläche auf der grünen Wiese erfordert Straßenbau, Stromtrassen, Wasserversorgung und Kanalanschlüsse. Zudem müssen Arbeitnehmer die Standorte mangels Bus- und Bahnanbindung meist mit dem eigenen Auto erreichen.
Gleichzeitig verliert der Boden seine Schutzfunktion: Bei Starkregenereignissen kann das Wasser auf versiegelten Großparkplätzen nicht versickern, was das Risiko von Überschwemmungen in Unterliegergemeinden erhöht.
Interkommunale Gewerbeparks als Lösung
Immer mehr steirische Regionen gehen deshalb dazu über, Gewerbegebiete gemeindeübergreifend zu entwickeln. Das Prinzip:
- Mehrere Nachbargemeinden planen gemeinsam einen einzigen, optimal an Schiene und Autobahn angebundenen Standort.
- Die anfallenden Erschließungskosten sowie die späteren Kommunalsteuereinnahmen werden nach einem festen Schlüssel untereinander aufgeteilt.
- Die Ortskerne der beteiligten Gemeinden bleiben von Schwerverkehr entlastet, und wertvolle landwirtschaftliche Flächen werden geschont.
Zudem fordern Raumordnungsgesetze vermehrt das Bauen in die Höhe oder Tiefgaragen anstelle von ebenerdigen Parkplatzwüsten, um jeden Quadratmeter Gewerbefläche optimal auszunutzen.
Quellen und weiterführende Informationen
Regionpuls prüft Informationsquellen nach journalistischen Grundsätzen. Verlinkungen verweisen auf Originalberichte, behördliche Unterlagen oder themenspezifische Veröffentlichungen.
- •Umweltbundesamt Österreich – Bodenverbrauchskennzahlen(Offizieller Umweltkontrollbericht)
- •Land Steiermark – Landesentwicklung und Raumordnung(Raumordnungsbericht)